Geschichte Günter Könsgen beim DED


Günter Könsgen erzählt ...

"Die entscheidende Weichenstellung meines Lebens"
Günter Könsgens in Peru
Günter Könsgen (2.v.l.) mit gerade diplomierten Gewerbe­lehrern der Salesianer Hochschule in Puno Ende 1968 - Er war von 1967 bis 1969 in Peru tätig.

Als junger Ingenieur entschied ich mich 1967 – als vorläufige Alternative zum Wehrdienst – mit einem Freiwilligen-Vertrag des DED für zwei Jahre nach Peru zugehen.

Entsprechend einer Vereinbarung zwischen dem Verteidigungsministerium und dem BMZ wurden damals Freiwillige des DED vom Wehrdienst zurückgestellt, aber nicht befreit. Ich hätte also nach meiner Rückkehr Wehrdienst leisten müssen, doch dann trat kurz vor meinem Vertragsende das  Entwicklungshelfer-Gesetz in Kraft, wodurch meine Wehrpflicht aufgehoben wurde.

Die Technisch-Pädagogische-Hochschule in Puno, am Titicacasee in 3860 Meter Höhe gelegen, war Teil eines von Salesianern geleiteten Schulzentrums, welches von über 1000 Schülern und Studierenden der überwiegend indigenen Bevölkerung Südperus besucht wurde. Wir waren sieben Freiwillige unterschiedlicher Fachrichtungen im Alter zwischen 23 und 35 Jahren und wurden als Lehrkräfte und Berater für Theorie und Praxis in der Gewerbelehrerausbildung tätig.

SPARTANISCHE LEBENSBEDINGUNGEN

Untergebracht waren wir in karg möblierten „Klosterzellen.“ Der schuleigene Diesel-Generator wurde um 21 Uhr abgeschaltet. Dunkelheit und Eiseskälte ließen sich dann nur noch unter sieben Lamawolldecken ertragen. Mit der Zeit konnten wir uns einen Raum für unsere Kommunikation einrichten, der außer uns auch gerne von den peruanischen Lehrerkollegen, Salesianerpatern und Besuchern aus Puno frequentiert wurde.

PARTNERSCHAFT AUF AUGENHÖHE

Wegen unzureichender Spanischkenntnisse wurde ich zunächst mit der Planung und Bauleitung neuer Werkstätten betraut. Nach einigen Monaten begann ich Unterricht in Mathematik und Physik zu erteilen sowie die Werkstattleiter zu beraten. Ziele waren eine stärkere Praxisorientierung der Ausbildung, die Weiterentwicklung der Curricula, die Einführung partizipativer Methoden und die Beschaffung, Anpassung und Implementierung von Lehr- und Unterrichtsmaterialien.

Im Gegenzug halfen mir die Studenten, mein Spanisch zu verbessern. Die so praktizierte  Partnerschaft auf Augenhöhe war für die Studierenden eine neue pädagogische Erfahrung und eine Bereicherung für beide Seiten.

SOZIALE KONTAKTPFLEGE

Bei der Fülle an Aufgaben kam wochentags in der klösterlichen Einöde kaum Langeweile auf.
An den Wochenenden unternahmen wir regelmäßig Ausflüge ins Umland. Zudem gab es in Puno eine von Nonnen geführte Pädagogische Hochschule für Mädchen, zu denen wir – sozusagen ordensübergreifend – beste Beziehungen unterhielten. Außerdem hatten wir das Glück, die 300-Jahr-Feier der Gründung Punos zu erleben – „fiestas“ ohne Ende. Erst im Laufe der Zeit lernten wir, dass das ausgiebige Begehen der vielen Feiertage bei Studenten und Lehrkräften größere Sympathie genoss, als die von uns erwartete Einhaltung der Lehrpläne.

WAS GEBLIEBEN IST AUS DIESER ZEIT

Wir haben erreicht, dass die optimierte Gewerbelehrerausbildung in Theorie und Praxis nachhaltig durch die Absolventen verbreitet wurde, die als Gewerbelehrer an technischen Sekundarschulen in ganz Südperu tätig wurden.

Für mich persönlich war der Entschluss, als Freiwilliger des DED nach Peru zu gehen, die entscheidende Weichenstellung in meinem Leben. Ich kam für mein gesamtes Berufs- und Privatleben von der personellen Entwicklungszusammenarbeit und speziell Latein­amerika nicht mehr los. Außerdem ließen zarte Bande Peru zu meiner zweiten Heimat werden.

Und selbst heute im sogenannten Ruhestand bleibe ich der personellen EZ verbunden: Ich engagiere mich zusammen mit ehemaligen Kollegen:innen unter anderem im ded-freundeskreis für die Etablierung eines zukunftsweisenden weltweiten Fachkräfte-Austausch-Programms zwischen NGOs als überfällige Weiterentwicklung der zumeist vorherrschenden, einseitigen Nord-Süd-Entsendung.

Hier auch als Download

nach oben