Werbelliner Appell


Werbelliner Appell

(auch hier zum Download)

DED-Freundeskreis

Werbellin, den 26. Mai 2013

Werbelliner Appell

Wir appellieren an die Entscheidungsträger in Zivilgesellschaft, Staat und Politik, ihre gesamtgesellschaftliche Verantwortung wahrzunehmen und sich daher für die Gründung eines neuen EntwicklungsDienstes einzusetzen.
Dieser neue, zivilgesellschaftlich getragene, öffentlich mitfinanzierte EntwicklungsDienst, der Bewährtes fortführt und durch Neues ergänzt, bietet qualifizierten und motivierten Menschen die Möglichkeit, sich auf Zeit in einer zunehmend vom Raubbau an Mensch und Natur gezeichneten Welt für die Schaffung gerechter und nachhaltiger Strukturen einzusetzen.

Begründung
Mehr als 750 ehemalige Entwicklungshelferinnen und Entwicklungshelfer (EH) sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Deutschen Entwicklungsdienstes (DED) haben sich vom 24. bis 26. Mai 2013 anlässlich des 50-jährigen Gründungsjahres „ihres“ DED am Werbellinsee getroffen. Sie haben ihre Erfahrungen ausgetauscht und über die aktuellen Herausforderungen für einen zivilgesellschaftlich getragenen, öffentlich mitfinanzierten Personaldienst diskutiert.

Die Auflösung des DED und seine Eingliederung in die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) wurden bedauert. Innerhalb der GIZ hat der DED seine Identität verloren, zumal erfolgreiche Programme des DED – Entsendung von „weltwärts“-Freiwilligen, Nachwuchsförderungsprogramm, Einsatz von Angehörigen der Entwicklungsländer – auf Weisung des BMZ ersatzlos gestrichen und die Zahl der EH deutlich reduziert wurden. Bei dem gegenwärtigen „Entwicklungsdienst“ der GIZ werden bewährte Grundsätze und unverzichtbare Prinzipien der DED-Arbeit nicht zuletzt aufgrund der wachstumsorientierten Unternehmenskultur der GIZ, der exorbitant hohen Verwaltungsgemeinkosten und des „Top-down“-Beratungsansatzes über Bord geworfen bzw. sind nicht praktizierbar.

Zu den Merkmalen, die den DED einmal ausgezeichnet haben, gehören neben dem Dienst auf Zeit: solidarisches „Lernen und Helfen“, Mitbestimmung der EH, Hilfe zur Selbsthilfe vor Ort, Partner- und Zielgruppenorientierung (nicht nur als Lippenbekenntnis), Bemühungen um eine Stärkung der Zivilgesellschaft (die staatsunabhängige Gestaltungsräume voraussetzen), die Verbindung von fachlicher und solidarisch-politischer Kompetenz, seine mit den Partnern gemeinsam erarbeiteten kreativen und innovativen Problemlösungsansätze. Dafür war der DED in der deutschen Gesellschaft bekannt und anerkannt.

Im Unternehmen GIZ kann ein von solchen Werten geprägter EntwicklungsDienst nicht überleben;
es gilt ihn also neu zu gründen:

    • Der neue Dienst hat eine zivilgesellschaftliche, öffentlich mitfinanzierte Trägerstruktur, durch die die gesamtgesellschaftliche Verantwortung für diesen Dienst und seine Aufgabenstellung zum Ausdruck kommt und wahrgenommen wird.
    • EntwicklungsDienst darf keine Einbahnstraße sein: Wie wir unsere Erfahrungen im Süden einbringen und vom Süden lernen, so soll umgekehrt der neue Dienst engagierten Menschen aus dem Süden Weiterbildung und Erfahrungsaustausch bei uns ermöglichen. Dialog ist das Stichwort.
    • Nach Rückkehr engagieren sich die EH in der Informations- und Bildungsarbeit für eine gerechte, tolerante und weltoffene Gesellschaft, stoßen Denkprozesse an und tragen mit ihren interkulturellen Erfahrungen zu notwendigen Veränderungen hier wie dort bei. So machen sie das Leben in der Einen Welt bewusst.

 

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